Mayfly.

Mayfly

Brian McGry flucht leise vor sich hin "Ja, Himmel, nichts beißt, vielleicht sollte er 'mal die Mayfly ausprobieren, die Jane ihm geschenkt hatte - obschon - sie war ihm immer zu schade; die hatte sie  ihm 'mal zum Geburtstag geschenkt, als sie sich erst ganz kurz kannten. "Halte sie in Ehren! Es ist eine Zauberfliege" sagte sie "nur wenn nichts mehr geht - und nur, wenn du mir treu warst, darfst du sie benutzen. Denk dran, ich bin eine Hexe."  Dabei zog sie ihre Augenbrauen hoch, rollte ihre stahlblauen Augen, schüttelte ihre rote Löwenmähne und drohte wild mit dem Finger. Sie waren beide in schallendes Gelächter ausgebrochen. Das war damals in Bradlys Pub nach einer gemeinsamen Angeltour. Und das war der Moment, als ihm klar wurde, dass er sie liebte. Na was soll´s, er kramte seine Köderdose hervor. Da ist sie, die Zauberfliege. Er hält sie gegen den Himmel und betrachtet sie  bewundernd. Jane macht ihre Fliegen selbst. Es sind wirklich kleine Kunstwerke und manchmal spricht sie noch eine Zauberformel darüber, Sie ist überzeugt, dass das ihr Jagdglück beeinflusst, Na, 'mal sehen! Er montiert die Wunderfliege an die Schnur. Dieser Gumpen da ist immer gut für eine Forelle. Bradly verschafft sich einen sicheren Stand zwischen den glitschigen Steinen. Nicht einfach heute. Es hat geregnet am Oberlauf und entsprechend hoch ist das Wasser. Er zieht Schnur von der Rolle und die Fliege saust hoch über seinem Kopf hin und her. Dann senkt er die Rute und die Mayfly trifft aufs Wasser. Dann geht alles sehr schnell - Die Forelle nimmt den Köder. Bradly schlägt an. Die Schnur strafft sich. Sein rechter Fuss rutscht ab. Gleichzeitig verspürt er einen stechenden Schmerz an der Oberlippe. Wie in Zeitlupe hängt er einen Moment in der Luft, bevor er aufs Wasser klatscht. Er ist unter Wasser. Es gluckst und rauscht. Über ihm blau. Und rechts und links flitzt das grüne Ufer vorbei. Er wird durchs Wasser gezogen - an der Oberlippe. "Ich muss was tun.". Er schnellt aus dem Wasser. In der Luft zappelnd versucht er den Haken los zu werden - klatsch, er ist wieder unter Wasser. Der Zug auf der Schnur hat nach gelassen, hat er sich losgerissen? Er lässt sich den Bach hinab treiben, ein starker Ruck - der Angler hat erneut angeschlagen. Der Haken sitzt und er wird erneut durch die Strömung gezogen. Das ist der Drill einer kapitalen Forelle. " Ich muss was tun!" Was haben die Forellen gemacht, die er verloren hat? Bradly nimmt einen Anlauf und schlägt einen Salto in der Luft. Doch die Schnur geht mit und bleibt straff - klatsch! Das Spiel wiederholt sich noch einige Male und er spürt seine Kräfte schwinden. Wer immer der Angler war, ist kein Anfänger. Ausgedrillt, entkräftet lässt er sich durchs Wasser ziehen. Im Gegenlicht taucht der Angler auf. Die Silhouette ist schwarz und verschwommen. Aber ihre Haare, eine wilde, krause, rote Mähne leuchtet hell um ihren Kopf: Es ist Jane. 

Eines Tages als er im Bach unterwegs war, stand sie am Ufer. Sie ließ eine Luftschnur treiben; wahrscheinlich mit einem Regenwurm dran. "Hallo" - "Hi!" Das war alles. Später,  es war schon Mittag, bei Mark. "Na, wie war´s?" - "Ach, frag nicht!". Antwortet Bradly: "Es war heute wie verhext. Ich hatte nicht 'mal einen Biss. "Macht nichts" sagte Mark "ich kann dir trotzdem eine schöne Forelle braten, Jane hatte mehr Glück" Er deutete zum Tresen. Da saß sie, die er am Bach getroffen hatte: Lange, grüne Watstiefel mit Strapsen am Gürtel ihrer Jeans befestigt und ein rot-grün-braun kariertes Flanellhemd. Eine Fülle hellroter Haare rahmten ihr Gesicht. So genau hatte er sich die Dame am Bach gar nicht angesehen. Mit gekreuzten Beinen sass sie auf dem Hocker und prostete ihm grinsend zu. "Sie sind eingeladen zur Forelle blau." sagte sie gönnerhaft.  

Mit letzter Kraft, mit dem Mut der Verzweiflung springt er aus dem Wasser - er landet in Janes Kescher. Ein sicherer Griff hinter seine Kiemen befördert ihn in ihren Fischkorb. Licht dringt durch die Ritzen des Geflechts. Er schnappt nach Wasser, doch seine Kiemen bleiben trocken.  "Woher konnte sie das wissen - mit Anne? Und es war doch nichts weiter als ein einmaliger Ausrutscher!" Das war sein letzter Gedanke. Noch ein Zappler. Wie von Ferne hörte er noch Jennys helles Lachen. Dann verliert er das Bewusstsein.

"Hallo, Mark" - "Hallo, Jane, na heute allein?" - "Ja, Brian ist verhindert. Schau! Ich habe nur eine gefangen.". Jenny hält eine grosse kapitale Forelle am ausgestreckten Arm. "Ob ihr mir den zubereiten könnt, schön mit Knoblauch und so, na, du weißt schon".